Autor Thema: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten  (Gelesen 782 mal)

Offline Frogfoot

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Moin zusammen!

Seit ich letzten Herbst den Bericht vom Guido gelesen habe, spukt die Idee bei mir im Kopf rum mal ein paar Wurfarme zu beschichten. Die gängigen ILF Wurfarme haben fast alle mehr oder weniger beknackte hübsche, bonbonbunte Aufdrucke - zu einer eleganten Jagdflitze passt das für mich nicht so. Carbonoptik hat ja jeder (der 400,- Tacken+ anzulegen in der Lage ist), aber so ein bischen custommäßiges Bunt muss doch drin sein  :D
Verbaut werden sollen die Wurfarme (SF/WNS Carbon Wood) auf einem HOYT SATORI Mittelteil in schwarz. Also erst mal auf die Suche bei diversen Anbietern im Netz um zu schauen, was so alles als passendes Design in Frage kommt...  :eek: Au Backe! Ich hatte ja keine Ahnung WIE viele unterschiedliche Foliendesigns es gibt... Demnach war ich einige Zeit mit suchen beschäftigt. Endlich nach vielen, vielen, unendlich vielen rein und raus ausm digitalen Warenkorb hatte ich DIE Folie gefunden – Snake yellow  :wow:

Was braucht man noch: Aktivator. Grundierung. Der Hersteller empfiehlt mit dem gewählten Folientyp weiß oder silber. Ich Hab mich für Weiß entschieden um eine gute Farbbrillianz zu erreichen. (Ein Fehler, wie sich zeigen wird, aber dazu später mehr...). 2K Sprühlack als Versiegelung.

Nach zwei Tagen war der Kram bei mir. Alles was man sonst noch so braucht (Schleifvlies, Schmirgelpapier, Entfetter, Latex-Handschuhe, diverses Klebe/Krebband zum abkleben und Material zum zurechttündeln einer Aufhängung), hatte ich daheim. Bis auf – da war doch was: WASSERtransferdruck! Ursprünglich hatte ich im Netz gelesen, dass man das alles gaaanz problemlos und rückstandsfrei in der Badewannen machen kann. Aber irgendwie kamen mir bei dem Gedanken Zweifel... Also in den nächsten Baumarkt und nach einer möglichen Wanne umgesehen. Ich habe mich für eine 08/15 Waschbütte entschieden, die groß genug war, um einen Wurfarm der Länge nach mit ein paar Zentimetern Spiel aufzunehmen. In der Wahl des Wasserbottichs lag der zweiten Fehler dieses Projektes. Aber auch dazu später mehr.

Na denn, erst mal alles gut mit dem feinsten Schmirgelpapier das ich da hatte angeschliffen. Stets darauf bedacht nicht tief ins Material zu kommen, aber das sollte ja klar sein. Auf dem ersten Bild sieht man recht deutlich den Unterschied. Da mir jeder der mit Farben/Lacken zu tun hat versicherte, dass dies der WICHTIGSTE Schritt bei so einer Aktion ist, hab ich mir da sehr viel Zeit gelassen. Etwas Bauchschmerzen habe ich immer noch: Die aufgedruckte Schrift auf den Wurfarmen ist leicht erhaben, das führte dazu, dass ich nicht überall am unmittelbaren Übergang zwischen Wurfarmfläche und Schrift eine adäquate Aufrauung hinbekommen habe. Ob sich hier ein  Problem mit der Haltbarkeit gibt werde ich sehen...

Ab hier habe ich nur noch mit Latex oder Nitril Handschuhen gearbeitet um die Oberflächen Fettfrei zu halten.

Dann gründlich reinigen, entfetten - zwei Durchgänge, einmal mit Isopropanol und einmal mit Aceton. *ACHTUNG*, bei der Verwendung von Aceton sollte man unbedingt vorher an unauffälliger, nicht letaler Stelle prüfen, ob das Material/der Lack vom Aceton zerbröselt wird... In gut belüfteten Räumlichkeiten arbeiten und die Lösungsmittel restlos abdampfen lassen.

Im nächsten Schritt habe ich dann in mehreren Lagen nach Angaben des Herstellers die Grundierung aufgetragen. Den Schritte hab ich so lange wiederholt, bis die ursprüngliche Beschriftung nicht mehr zu erkennen war und die Wurfarme in strahlendem, klinischen weiß vor mir lagen...

Der aller, aller nervigste Arbeitsgang war das vorbereiten der Folien – lieber hätte ich noch 2 Stunden länger an den Wurfarmen geschliffen (obwohl ich das auch als „Strafarbeit“ empfinde). Um die Folien etwas zu stabilisieren und blasenfrei auf die Wasseroberfläche zu bekommen klebt man das Folienteil rundherum mit Malerkreppband ab. Hierbei hatte ich eine persönliche Vendetta mit dieser mistigen, hauchdünnen Folie zu bestehen, da sich die Folie immer wieder von alleine aufgerollt hat und sich nicht flach auslegen ließ. Dabei klebte das Malerkrepp phantastisch an den Handschuhen, aber eher semi-gut an der Folie... Wahrscheinlich wäre es sinnvoll gewesen die Folie erstmal über Nacht flach ausgerollt irgendwo unter eine Platte o.ä. zu legen. Aber nun ja, noch einen Tag warten? Auf keinen Fall! Was nicht will, das MUSS! ;-)

Und dann wurde es spannend: Nachdem die Grundierung getrocknet war habe ich das Wasser vorbereitet. 30 +/-2 °C. Und alles in Griffweite bereitgestellt. Das Auflegen der Folie auf die Wasseroberfläche erwies sich dann als weniger schwierig. Sobald die Folie mit der Wasseroberfläche in Kontakt kommt geht alles fast von allein. Luftblasen bekam ich in den Griff. Die schrumpelige Klebeaktion mit dem versch... Malerkrepp konnte ich im wahrsten Sinne wieder ausbügeln.  Der Wasserkontakt und die Aktivierung führt dazu, dass sich die Folie wieder „streckt“. Also alles halb so wild. Die Zeiten für das Einweichen und die Einwirkzeit des Aktivators habe ich genau nach Herstellerangaben befolgt und dann die Wurfarme vorsichtig, langsam und gleichmäßg in den Farbfilm eingetaucht. Hier stellte sich die Wasserbütte als optimierungswürdig heraus: Ich habe total unterschätzt wie notwendig es ist, deutlich mehr Spielraum zum manövrieren des einzutauchenden Gegenstandes zu haben. Dadurch konnte ich den Bewegungsablauf an einigen Stellen nicht gleichmäßig ausführen, was zu Verzerrungen im Muster führt. Da „Schlangenhaut“ von Natur aus eine eher heterogene Anmutung hat, fällt das wenig auf, dennoch wäre das bei einem symmetrischen Muster fatal. Abwaschen von überschüssigen Anhaftungen war absolut problemlos, ich war wirklich mortsmäßig beeindruckt wie gut der transferierte Druck auf dem Werkstück haftet!

Damit kommen wir zu ein paar Fallstricken die ich hier erwähnen möchte, damit Ihr nicht meine Fehler wiederholt:

In der Anleitung wird die Option erwähnt, gebrauchtes Wasser wieder zu verwenden, nachdem man es gründlich aufgemischt/verrührt hat. Das hat für mich GARNICHT funktioniert! Ich habe mir beim Auflegen eine Folie ruiniert, weil noch Aktivatorreste auf der Oberfläche die Folie auf der falschen Seite angelöst hat. Der Fairness halber sei erwähnt, dass der Hersteller empfiehlt nach jedem Durchgang neues Wasser zu verwenden. → Immer frisches Wasser verwenden!

Nochmal der Hinweis ein Wassergefäß zu verwenden, dass deutlich größer dimensioniert ist als das Werkstück. Eine gute Manövrierbarkeit vereinfacht die Angelegenheit deutlich.

Zuletzt noch ein (trivialer) Hinweis: Die (Farbe der) Grundierung erst auswählen, wenn ihr euch die Folie in natura genau angucken konntet (nicht nur das Beispielergebnis des Herstellers). In meinem Fall erkannte ich leider zu spät, dass einige „Schuppen“ farblos gestaltet sind, also nach dem Transfer die Farbe des Untergrunds annehmen (in meinem Fall weiß). Hätte ich das vorher gewusst, wäre meine Wahl für die Farbe der Grundierung eine andere gewesen...

Mit dem Ergebnis bin ich in soweit zufrieden, als das ich nicht damit gerechnet hätte es „so gut“ in den ersten zwei Versuchen hinzubekommen. Einige Stellen sind nicht perfekt geraten, aber letztendlich ging es mir drum dieses faszinierende Prinzip mal auszuprobieren und auf seine Durchführbarkeit zu testen. Unterm Strich ist das alles für jeden, der nicht zwei linke Hände hat machbar. Da Wurfarme geometrisch durchaus anspruchsvoller sind als man sich das so denkt, werden ein paar Wiederholungen nicht schaden um einen ausreichenden Grad der Perfektion zu erreichen. Somit werden dies sicher nicht die letzten Wurfarme gewesen sein, die ich so Recycle.

LG Robert

Offline Frogfoot

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #1 am: 21.01.18, 22:52 »

Offline Frogfoot

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #2 am: 21.01.18, 22:55 »

Offline Frogfoot

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #3 am: 21.01.18, 22:57 »

Offline Steve.bsfd

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #4 am: 21.01.18, 23:32 »
sieht echt stark aus und sehr schöner Bericht! :tu:

Offline Blankbogner

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #5 am: 22.01.18, 06:56 »
Na da bin ich ja mal gespannt wie das dann unter Belastung hält.
Hast auf jeden Fall besser hinbekommen wie ich... bravo...  :D
Servusla, bis bald....Guidl



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Offline friedrichshainer

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #6 am: 22.01.18, 13:38 »
Wirklich klasse beschrieben und das Ergebnis lässt sich sehen!

Wie haltbar sind denn solche Transferdrucke? Frege mich, ob ne Schicht Klarlack nicht sinnvoll wäre...

Offline Frogfoot

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #7 am: 22.01.18, 17:34 »
Wirklich klasse beschrieben und das Ergebnis lässt sich sehen!

Wie haltbar sind denn solche Transferdrucke? Frege mich, ob ne Schicht Klarlack nicht sinnvoll wäre...


Ungeschützt ist der Transferdruck sicher nicht sehr haltbar. Die Reste in der Wanne konnte ich problemlos mit dem Fingernagel oder einem rauen Schwämmchen wegrubbeln dementsprechend hätte ich zukünftig auch keine Bedenken mehr das in der Badewanne zu machen - danach muss man zwar ordentlich schrubben, aber sauber bekommt man das wieder.

Wie eingangs erwähnt, kommt da natürlich noch 2K-Lack als Versiegelung drüber, jedoch erst dann, wenn das Werkstück richtig trocken ist. Die Farbschichtdicke von dem Transferdruck selber ist extrem dünn und sollte - eine Versiegelung vorausgesetzt - sehr gut haften. Wie sich das nach hundertfacher Belastung an einem Recurvebogenwurfarm verhält - darauf bin ich auch sehr gespannt...
« Letzte Änderung: 22.01.18, 17:40 von Frogfoot »

Offline Blankbogner

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #8 am: 22.01.18, 19:30 »
Sehr ausführlicher Bericht, meine Hochachtung.
Hast du jeden WA ringsum gedreht auf einmal gemacht? Oder auf 2 Seiten aufgeteilt?
Und was ist das für eine Linie auf dem Wurfarmrücken die Länge nach?  :)

Klarlack aufbringen ist in mehreren Lagen total wichtig. Denn meinen Bögen hat es beim Ummerstadter Turnier wo es den 3/4 Tag geregnet hat, wieder abgelöst. An manchen Stellen ist es ab gegangen. Ich muß meines nochmal Schleifen, lackieren und neu beschichten...
Servusla, bis bald....Guidl



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Offline Eagle

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #9 am: 22.01.18, 19:39 »
Hi Guido,

auf dem Bild sind beide Wurfarme nebeneianderliegend zu sehen.
Daher die Linie....

Grüße Stefan

Offline Blankbogner

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #10 am: 23.01.18, 08:05 »
Ach danke, stimmt.
Hab ich nur mit dem Handy nicht gesehen.  :red:
Servusla, bis bald....Guidl



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Offline OKOK-Klaus

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #11 am: 23.01.18, 08:15 »
Super beschrieben.
Danke
Autauga County Bowhunters

Offline Frogfoot

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #12 am: 25.01.18, 15:55 »
Moch ein kleiner Nachtrag:
Da es für den ein oder anderen interssant sein könnte (und ich denke, dass ich da keine ganz schlechte Idee hatte) hier noch eine Detailaufnahme meines Aufhängungstüddeldingens:




An der Wäscheklammer hab ich die WAs an einen alten Wäschetrockner gängt und konnte so die Grundierung/Lackierung recht bequem vornehmen.
« Letzte Änderung: 25.01.18, 16:06 von Frogfoot »

Offline Frogfoot

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #13 am: 25.01.18, 16:05 »
Und so sehen denn die Wurfarme nach dem Lackieren aus. Leider musste ich feststellen, dass "Lackierer/in" nicht umsonst einen eigenen Berufszweig darstellt. Ich hab leider mangels Erfahrung nicht richtig einschätzen können wie dünn/dick ich den Lack wärend der einzelnen Arbeitsschritte aufgesprüht habe. Zwar konnte ich eine Nasenbildung (bis auf eine kleine am Tip) vermeiden, aber die Klarlackschicht ist mir sicher zu dick geraten. Mal schauen obs hält.

Denke in Zukunft werde ich wieder zum guten alten Pinsel/Schwämmchen greifen, sprühen liegt mir offensichtlich nicht so... ;-)


Offline Frogfoot

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Re: ILF-Wurfarm mit Wassertransferdruck beschichten
« Antwort #14 am: 25.01.18, 16:07 »

 

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